Was kostet Auswandern aus Deutschland? So viel Remote-Einkommen brauchst du pro Monat

Daniel Huber, MBAGründer von Plaith

Aktualisiert am · 8 Min. Lesezeit

Bild mit KI erstellt

Ich habe mal wieder gelesen, welche Probleme es so gibt. Diesmal bei Menschen, die ihren Koffer gedanklich schon gepackt haben. Die Wohnung ist gekündigt oder fast, das Zielland steht, und dann taucht die Frage auf, die niemand gern ehrlich beantwortet: Was kostet Auswandern aus Deutschland eigentlich wirklich?

Die meisten suchen nach einer Zahl. Ich verstehe das. Als ich mit meiner Familie nach Zypern ausgewandert bin, wollte ich auch eine Summe, an der ich mich festhalten konnte. Gelernt habe ich etwas anderes: Die Auswandern Kosten sind nur die halbe Rechnung. Die andere Hälfte ist die Frage, wie lange dein Geld reichen muss, bis wieder Geld hereinkommt.

Drei Reddit-Threads zeigen ziemlich genau, warum.

Fall 1: Schweiz mit Ersparnissen und 100 Bewerbungen

In r/askswitzerland hat ein 21-Jähriger seine Auswanderung als AMA beschrieben (zum Original-Post). Er und seine Frau sind zum 1. Januar 2025 in die Schweiz gegangen, wegen eines Neustarts und besserer finanzieller Möglichkeiten. Seine Frau hatte vorab einen Praktikumsplatz mit direkter Übernahme in die Ausbildung gefunden. Er selbst nicht.

Die erste Zeit finanzierten beide aus ihren Ersparnissen. Sie wohnten in einem Airbnb auf der deutschen Seite, weil ein Zimmer in der Schweiz deutlich teurer gewesen wäre. Dann begann die Jobsuche. Rund 100 Bewerbungen per Mail und Telefon brachten etwa 7 Rückmeldungen, fast alles Absagen. Erst als er seine Lebensläufe ausgedruckt und persönlich verteilt hat, kam ein Probetag und eine Stelle im Fast Food, mit etwa 70 Prozent Pensum im Stundenlohn.

Sein Stand zum Zeitpunkt des Posts: Haushaltseinkommen rund 3.400 CHF, Ausgaben rund 2.200 € im Monat, und die Wohnungssuche sei die nächste große Herausforderung. Das Paar hat es geschafft. Aber die teuerste Phase war nicht der Umzug. Es waren die Monate, in denen das Geld nur in eine Richtung floss.

Fall 2: Kaution, Vorauszahlung, Möbel

In r/expats fragte jemand, der von Australien nach Deutschland ziehen will, wie viel Erspartes man realistisch braucht und welche Kosten überraschen (zum Original-Post).

Zwei Antworten sind besonders lehrreich. Eine Person, die gerade nach Mexiko gezogen ist, hatte rund 18.000 $ frei verfügbar. Etwa 6.000 $ davon gingen sofort für Mietvorauszahlung und Kaution weg. Der Rest floss in Versand, Möbel und Haushaltsgeräte. Ihr Hinweis: Wer unmöbliert mietet, sollte nicht einmal Geräte erwarten.

Eine andere Person schrieb, schon die Einrichtung einer kleinen Wohnung mit überwiegend gebrauchten Möbeln, Bettzeug und Küchenkram koste am Ende rund 10.000 $, selbst in Thailand. Dazu kämen Visum und Reisen. Ihr Fazit: Es summiert sich, auch wenn man sparsam ist.

Fall 3: Die riesige Spanne

In r/IWantOut wurde gefragt, wie viel Geld die eigene Auswanderung gekostet hat (zum Original-Post). Die Antworten gehen weit auseinander. Eine Person schrieb, als Student hätten ein paar Tausend Dollar gereicht, als Familie seien es später 60.000 bis 70.000 $ an Einrichtungskosten gewesen. Jemand, der von Großbritannien nach Australien ging, hatte 15.000 £ gespart, brauchte aber nur rund 2.800 £, weil er innerhalb von zwei Wochen einen Job fand. Jemand, der von Kalifornien nach Deutschland zog, zahlte rund 10.000 $ für den Container und hatte etwa 30.000 $ für das erste Jahr zurückgelegt. Und eine Person schrieb schlicht, sie ziehe nur noch mit einer Jobzusage um.

Das Muster ist eindeutig: Die Höhe der Kosten hängt weniger am Land als an einer einzigen Frage. Kommst du mit Einkommen an oder ohne?

Auswandern Kosten: Die sechs Blöcke, die du planen musst

Ich teile die Kosten einer Auswanderung in sechs Blöcke auf. Ich nenne sie hier ohne Pauschalbeträge, weil die Spanne zwischen einem Single in Südostasien und einer Familie in Westeuropa zu groß ist, um ehrlich einen Durchschnitt zu nennen. Hol dir für jeden Block echte Angebote und Preise für deinen Zielort.

  1. Einmalige Umzugskosten. Spedition oder Container, Flüge, eventuell Haustiere, dazu Visum, Apostillen, beglaubigte Übersetzungen und Notar. Unterschätzt wird meist die Anzahl der Dokumente, nicht ihr Einzelpreis.
  2. Die Übergangsphase. Das ist der Block, den fast niemand einplant. In Deutschland läuft die Miete oft noch drei Monate Kündigungsfrist weiter, während du im Zielland schon Unterkunft und Wohnungssuche bezahlst. Doppelte Fixkosten, manchmal über Monate.
  3. Setup im neuen Land. Kaution, Mietvorauszahlung, Möbel, Küche, Auto oder Roller, Schule und Kindergarten. Fall 2 zeigt, wie schnell das zusammenkommt. In manchen Ländern ist eine Miete für mehrere Monate oder ein ganzes Jahr im Voraus üblich.
  4. Laufende Lebenshaltung. Miete, Versicherung, Lebensmittel, Mobilität. Vorsicht bei Sätzen wie "dort ist alles viel günstiger". Für ein Leben mit Krankenversicherung, guter Wohnlage und eventuell internationaler Schule ist der Unterschied oft kleiner als erhofft.
  5. Versteckte Posten. Steuerberatung in zwei Ländern, Visumsverlängerungen, Flüge zurück zu Familie und Freunden, Gebühren für Konten und Post in Deutschland.
  6. Die Sicherheitsreserve. Das gewohnte Netz aus Arbeitslosengeld und Familie in der Nähe fehlt im Ausland oft. Krankheit, Visumsprobleme oder ein verlorener Kunde treffen dich härter als zu Hause.

Wie viel Geld zum Auswandern? Ein Rechenweg statt einer Pauschale

Statt einer Zahl gebe ich dir die Formel, mit der ich selbst rechne:

Startkapital = einmalige Kosten + Übergangsphase + Setup + Reserve + 20 Prozent Puffer

Für die Reserve gilt: monatliche Kosten im Zielland mal Anzahl Monate, plus ein Rückflug-Puffer. Ich empfehle Auswanderern, eher mit neun bis zwölf Monaten zu rechnen als mit den üblichen sechs. Und den Puffer von 20 Prozent brauchst du fast immer, weil am Ende vieles teurer wird als geplant.

Jetzt kommt der Teil, den die meisten Kalkulatoren weglassen. Die Zahl der Monate in deiner Reserve ist keine Naturkonstante. Sie hängt davon ab, wann dein Einkommen startet:

  • Ohne Einkommen musst du die gesamte Reserve aus Erspartem decken, plus die Zeit der Jobsuche. Fall 1 zeigt, wie lange das dauern kann.
  • Mit einem Einkommen, das du mitbringst, musst du vor allem die einmaligen Kosten und die Übergangsphase finanzieren. Die Reserve wird zur Absicherung, nicht zur Lebensgrundlage.

So viel Remote-Einkommen brauchst du pro Monat

Die Frage "Was kostet Auswandern?" lässt sich deshalb umdrehen: Wie viel musst du im Monat verdienen, damit deine Ersparnisse nicht schrumpfen?

Die Rechnung ist einfach und gehört dir allein:

  1. Schreib deine realistischen Monatskosten im Zielland auf, inklusive Versicherung, Rücklagen für Flüge und Steuerberatung.
  2. Rechne Steuern und Sozialabgaben im Zielland grob dazu. Lass das von einer Steuerberatung prüfen, die beide Länder kennt. Das hier ist keine Steuerberatung.
  3. Das Ergebnis ist dein Mindest-Nettoeinkommen. Alles darüber füllt deine Reserve wieder auf.

Wenn du diese Zahl kennst, weißt du auch, welche Jobs infrage kommen. Ein lokaler Job zu lokalen Gehältern deckt sie vielleicht, vielleicht nicht. Ein Einkommen aus dem DACH-Raum, das du ortsunabhängig verdienst, ist an deinen Laptop gebunden, nicht an den Arbeitsmarkt vor Ort. Welche Jobs sich dafür eignen, habe ich im Artikel Auswandern mit Job zusammengetragen. Und wenn dein Startkapital knapp ist, lies auch Auswandern ohne Geld.

Schnelltest: Kannst du dir den Schritt leisten?

Beantworte ehrlich vier Fragen:

  1. Liegen die einmaligen Kosten schon auf einem eigenen Konto, nicht nur "irgendwie zusammenkratzbar"?
  2. Hast du die Reserve zusätzlich zu den Umzugskosten?
  3. Steht dein Einkommen im Zielland, oder lautet der Plan "ich finde dort schon was"?
  4. Hast du den Puffer für Unvorhergesehenes eingerechnet?

Viermal Ja: Du bist finanziell bereit. Dreimal Ja: machbar, aber knapp. Zweimal oder weniger: Erst Einkommen sichern, dann umziehen. Das ist keine Niederlage, sondern die günstigste Entscheidung, die du treffen kannst.

Was du davon hast

Vielleicht kennst du das Gefühl: Du rechnest abends am Küchentisch, die Zahl auf dem Sparkonto wirkt groß, und trotzdem bleibt ein Knoten im Bauch. Denn du weißt nicht, wie viele Monate sie wirklich trägt, wenn im neuen Land erst mal nichts hereinkommt.

Wenn dein Einkommen mitzieht, wird dein Erspartes zum Sicherheitsnetz und hört auf, eine Sanduhr zu sein.

Das gewinnst du:

  • Eine Zahl, die du steuern kannst. Statt einer Pauschale aus dem Internet kennst du dein Mindest-Nettoeinkommen und weißt, worauf du hinarbeitest.
  • Ruhe in der Übergangsphase. Wenn Geld hereinkommt, kannst du dir die passende Wohnung aussuchen, statt die erstbeste zu nehmen, weil die Reserve schmilzt.
  • Eine echte Rückfalloption. Eine Reserve, die du nicht anfassen musst, hält dir den Weg zurück offen, falls das Land doch nicht passt.

Wie viel du am Ende verdienst, hängt an dir, an deinem Einsatz und an deinem Angebot. Das kann dir niemand versprechen. Aber du entscheidest, ob du mit einer Sanduhr oder mit einem Plan ankommst.

Wie das bei Plaith aussieht

Plaith sitzt auf Zypern und hilft Selbstständigen und kleinen Unternehmen, über Meta Ads Kunden zu gewinnen. Bei uns kümmern sich 6 Spezialisten, Mensch und KI kombiniert, um Videos, Werbebotschaften und Kampagnensteuerung, ab 26 € pro Tag plus einmalige Einrichtung.

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Häufige Fragen

Was kostet Auswandern aus Deutschland ungefähr?

Eine seriöse Pauschale gibt es nicht. Die Kosten hängen vom Zielland, deiner Familiengröße, dem Hausrat und vor allem davon ab, ob du mit Einkommen ankommst. Rechne mit den sechs Blöcken oben und hol dir echte Preise.

Wie viel Geld sollte ich zum Auswandern gespart haben?

Genug für die einmaligen Kosten, die Übergangsphase, das Setup und eine Reserve für mehrere Monate, plus Puffer. Ohne gesichertes Einkommen sollte die Reserve deutlich größer sein.

Welche Kosten werden beim Auswandern am häufigsten unterschätzt?

Doppelte Mieten in der Übergangsphase, Kaution und Mietvorauszahlung, die Einrichtung der neuen Wohnung und die Zeit bis zum ersten Einkommen.

Reicht ein Remote-Einkommen zum Auswandern?

Wenn es stabil ist und deine Monatskosten im Zielland samt Steuern deckt, ja. Prüfe außerdem, welches Visum du dafür brauchst und ob dein Zielland einen Einkommensnachweis verlangt.

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